365 Tage Segeln

In 20 Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die Dinge, die du getan hast. Also löse die Knoten, laufe aus aus dem sicheren Hafen. Erfasse die Passatwinde mit deinen Segeln.  (Mark Twain)

Unsere Reise 2019

Von Malaga nach Teneriffa

Im Winterlager

Die Stella Maris überwintert im geschützten Hafen von Cartagena. Juan Pedro nimmt sich der Hauptmaschine sowie des Generators an. Bei der Hauptmaschine liegt das Hauptmerk an der Kompression, welche in Schweden gemessen wurde. Dabei wurde festgestellt, dass der Zylinder 2 und 3 nur über 14 kg Kompression verfügen. Normal wäre ein Wert im Bereich von 22 – 25 kg. Nachdem Juan Pedro alle Zylinder 2 x ausgemessen hatte mussten wir feststellen, dass sich alle Werte im Bereich von 23 kg befanden. Scheinbar hatte der Zusatz «Granit» im Diesel bewirkt, dass die Verkokung sich aufgelöst hatte. Uns soll es recht sein. Der Hauptauspuff Schalldämpfer wird von Volvo Penta auf Garantie ersetzt, das sich nach nur 400 Betriebsstunden kleine Löcher im Deckel gebildet hatten.

Zusätzlich wird der Auspuff des Generators auf die Schiffsseite verlegt, da die Auspuffleitung bis in Heck einfach zu lang ist und nicht den Herstellervorschriften entspricht.

Beim Wärmetauscher muss eine neue Dichtung eingebaut werden.

Die Rettungsinsel wurde der vorgeschriebenen Revision unterzogen und wir hoffen, dass die Insel für immer im Stau Fach bleiben wird und wir sie nie benötigen werden.

Mitte März besuchen wir die Stella Maris in Spanien und hoffen, dass alle Arbeiten abgeschlossen sein werden.

Stavanger – Lerwick

Nach den nötigen Reparaturen der Seerehling und dem neu montieren weissen Hecklichtes konnte die Reise weitergehen. Immer noch blauer Himmel und für den Norden sehr warme Temperaturen dank der anhaltenden Hochdrucklage, aber leider auch sehr wenig Wind.
Mit dem Motor ging es durch die sehr schöne und wilde Schärenlandschaft über Haugesund nach Bergen. Dort wo es normalerweise 300 Tage im Jahr regnet, war super Wetter. Wir beschlossen einen Tag in Bergen zu bleiben um einen Ausflug auf den Floiberg zu machen.
Am nächsten Tag suchten wir ca. 30 sm nördlich in den Schären einen Ankerplatz wo wir übernachteten. Noch einmal am ruhigen Ankerplatz schlafen und essen, bevor es am nächsten Morgen zum langen Schlag auf die Shetlands gestartet werden konnte. Sobald wir am nächsten Morgen die schützenden Schären verlassen hatten, blies uns ein steifer Nord 5 mit einiger Welle entgegen. Nur mit Genua segelten wir diesen Halbwindkurs. Einige benötigten schon nach kurzer Zeit 30 Minuten um eine Banane zu essen. Gegen Abend hatte sich der ursprünglich Wachplan in Luft aufgelöst. Da niemand bei diesen Bedingungen zu kochen mochte, testete ich um Mitternacht den neuen halbkardanischen Herd und kochte feine Teigwaren mit Pesto Sauce. Im nu war die Pfanne leergegessen.
Auf unserem Kurs tauchten in ca. 20 sm Abständen laufend Ölplattformen auf. Ein Freund hatte mir einmal gesagt, dass man bei der Überfahrt nur den Plattformen nachfahren kann. Leider war es in diesen Breiten auch um Mitternacht nie richtig dunkel. Ich könnte mir vorstellen, dass im September diese Plattformen mit ihren Lichtern wie Christbäume im Meer stehen.
Am anderen Morgen steuerten wir den Baltasund an und der Anker fiel auf 7m Wassertiefe. Nach einem Ruhetag ging es weiter nach Lerwick. Spannend war, zwischen den einzelnen Inseln die Tide oder die Tidrips zu beobachten. Strom bis zu 4 kn ist da keine Seltenheit.
Der Hafen von Lerwick war überraschenderweise recht voll. Beim Einlaufen verliess eine Yacht ihren Liegeplatz, welchen wir dann dankend übernahmen.

Göteborg – Stavanger

Durch den Zwischenfall konnten wir nicht mehr mit dem Schiff nach Göteborg also kurzerhand Florian und Dave auf dem Flughafen abgeholt. Kathi flog wieder zurück in die Schweiz. Da es immer noch Arbeiten an der Stella Maris gab hatte ich für Florian und Dave Kajaks organisiert und die beiden waren den ganzen Tag in der Schärenlandschaft unterwegs. Am nächsten Morgen konnten wir Vindöen nun definitiv verlassen. Durch das Innenfahrwasser kamen wir an der Geburtsstätte der Stella Maris, an der Hallberg Rassy Werft in Ellös, vorbei. Weiter durch den Sotenkanal mit der Drehbrücke nach Hamburg Sund.

Da der Wetterbericht ruhige See voraussagte, entschlossen wir direkt durch das Skagerrak nach Risör in Norwegen zu laufen. Schön wenn man in der Vorsaison unterwegs ist, auch in Risör war die ganze Anlegebrücke leer. Die ganze Zeit lachte die Sonne vom Himmel, auch nicht normal für diese Jahreszeit.
Die Umrundung des Leuchtturmes Lindesnes, wo die See manchmal sehr ruppig sein kann, kein Problem, nur dass sich am Himmel über dem Land die ersten Gewitterwolken zeigten. Den Gashebel etwas weiter hinuntergedrückt und mit den ersten Tropfen konnten wir in Farsund festmachen. Auch hier das gleiche Bild, der ganze Anleger für uns frei.

Nach einer wunderschönen ruhigen Nacht am Anker in den Schären erreichten wir Stavanger. In dieser Stadt dreht sich alles um Öl. Plattformen im Bau da, Versorgungsschiffe dort. Der heimlich gewünschte Platz beim Öl Museum war frei und so konnten wir die Stella Maris direkt dort festmachen. Dave und Florian besuchten noch den bekannten Preikestolen mit seiner imposanten Felsvormation.

Wie weiter?

Nachdem am kommenden Tag alles geklärt war versuchten wir den norwegischen Nationalfeiertag doch noch etwas zu geniessen. Am nächsten Tag verliessen wir Frederikstadt und segelten an den Koster Inseln vorbei nach Smögen. Nach einiger Zeit wurde an der langen Pier ein Platz für die Stella Maris frei. Tatsächlich kam ein Hafenmeister und zog das bescheidene Hafengeld ein. Ein Rundgang über die Schären zeigte einmal mehr die traumhafte Landschaft der schwedischen Schären. Kurzerhand beschlossen wir auch am Sonntag noch in Smögen zu bleiben. Zu unserem Erstaunen leerten sich die Stege und ab 19 Uhr waren wir noch drei Jachten im Hafen. In der Hauptsaison nicht auszudenken, was da sonst für ein Rummel herrscht.
Am nächsten Tag segelten wir in einem Schlag zurück in die Werft nach Vindoen. Alle Mitarbeiter waren am Steg als wir einliefen um den grossen Schaden zu begutachten. Nach Rücksprache mit der Versicherung kam ein Gutachter um das Schadenmass festzustellen. Gleichzeitig überlegten wir fieberhaft, wie und allenfalls wo die nötige Reparatur ausgeführt werden könnte. Ein richten des Panelbügels war nach Angaben des Inoxman nicht möglich, zu stark ist die Konstruktion. Kurzentschlossen entschieden wir, dass der Bügel auf der Höhe der Reling mit der Flex abgetrennt wird und die offen Rohre mit Kunststoffzapfen verschlossen werden. Die fehlende Rehling wurde mit Spanset ergänzt so dass die Sicherheit gewährleistet war. Mit einem Schmunzeln mussten wir feststellen, dass die Stella Maris ohne Bügel eigentlich viel schöner aussah 😉.

Der Crash

Kurz vor Mitternacht wurden wir von einem ohrenbetäubenden Lärm aus dem Schlaf gerissen. Das ganze Schiff schaukelte und man hörte das kreischen von Stahl auf Stahl.
Schnell in die Kleider geschlüpft und an Deck gestürmt. Ich traute meinen Augen nicht, ein Colin Archer mit einem 8 Meter langen Bugspriet hat sich in unserem Geräteträger mit den Solarpanelen verhakt und diesen nach hinten und ca. 80 cm seitlich weggedrückt. Trotz der sehr starken Konstruktion mit 48mm Chromstahlrohren war eine dermassen grosse Deformation möglich. Der Colin Archer wiegt 33 Tonnen, also 10 Tonnen mehr als wir.
Nachdem wir die Decksbeleuchtung eingeschaltet hatten, war das ganze Ausmass der Beschädigungen ersichtlich. Die Füsse des Bügels wurden aus der neu erstellten Fussleiste herausgerissen, gleichzeitig wurde die Fussleiste an vielen Orten gespalten. Ganz ärgerlich war, dass die Fussleiste beim Erneueren des Decks auch ersetzt wurde und eigentlich ganze 3 Tage alt war.
Da wir Ausländer sind haben wir die örtliche Polizei auf den Platz bestellt. Inzwischen war auch der norwegische Skipper Björre zu uns gekommen. Die Polizei machte gleich bei ihm einem Alkoholtest, welcher aber mit 0.0 negativ resultierte. Positiv war, dass die Norweger alle gut versichert sind. Nach 2 Stunden Unfallaufnahme verabredeten wir uns auf den nächsten Mittag um die weiteren Punkte mit den Versicherungen zu besprechen. An einen Schlaf war nach dieser Aufregung natürlich nicht mehr zu denken. Die Gedanken kreisten um wie weiter, was wo reparieren lassen, welcher Zeitaufwand ist nötig, was ist mit meinen weiteren Törns usw. Gut, dass wir Beide unversehrt waren und das Schiff nicht am Rumpf beschädigt worden war.

Frederikstadt

Wunderbares Gefühl wieder auf dem Schiff zu sein. Nach einer kurzen Angewöhnungszeit mit der doch anspruchsvollen Navigation legten wir am Abend in Hamburg Sund an. Obwohl es wunderbares Wetter war merkte man gut, dass die Saison noch nicht begonnen hatte. Der ganze Anleger war frei, kein Schiff weit und breit. Am nächsten Morgen ging es nach Frederikstadt. Abwechslungsreiche schöne Gegend, vor allem um die Klosterinseln, grün und doch viele Felsen. Die Ansteuerung nach Frederikstadt führt durch einen engen Sund bis in die Stadt.
Als wir zurückblickten sahen wir einen grossen Rauchpilz auf dem Meer. Eine grosse Motoryacht stand in Flammen und man konnte den verbrannten Kunststoff riechen. Beim Anlegen im Gästehafen half uns ein hilfsbereiter Norweger. Auch da war Platz genug, obwohl am nächsten Tag der Nationalfeiertag von Norwegen war. Also ist der Zoll vermutlich an diesem Feiertag geschlossen und wir stellten uns auf einen weiteren Tag in der Stadt ein.
Nach einem kurzen Fussmarsch in die Stadt genossen wir das feine Nachtessen am Wasser. Müde legten wir uns in die Kojen.

In der Werft

Am 8. Mai sind wir nach Göteborg geflogen. Schnell das Auto bei AVIS abgeholt, bestellt war ein Polo und es stand ein mittlerer Nissan SUV bereit. Ist uns auch recht. Schon auf der Fahrt nach Vindöen haben wir festgestellt, dass der Frühling seit meinem letzten Besuch nach Ostern stark auf dem Vormarsch ist. Tagestemperaturen um die 22 Grad so hoch im Norden sind schon recht selten. Überall sattes Grün, die Birken schon fest mit Laub versehen.
In der Werft angekommen sahen wir unsere Stella Maris im Hafen schwimmen. Nach einem kurzen Besuch war allen klar, dass wir die erste Nacht im Hotel verbringen werden. Einen teils, dass die Arbeiter in Ruhe arbeiten können anderseits war an ein einräumen nicht zu denken. Wir bezogen wieder unsere Suite bei Braat im Hotel Schöner Raum.
Am anderen Tag nach dem Mittag waren wir wieder in der Werft. Viel hatte sich getan, doch fertig ist anders. Also eine zweite Nacht in unserem Hotel.
6 Palletten mit Rahmen voll Sachen standen zum verräumen bereit. Kathi hat die ganze Küche aus und wieder eingeräumt, inkl. Alle Schränke und Schubladen gereinigt. Überall hat sich der Schleifstaub von den Arbeiten verkrochen.
So langsam hatten wir unsere Stella Maris wieder wie wir sie Innen mögen. Aussen glänzte sie mit dem neuen Teak Deck wie neu.
Nach den nötigen Instruktionen wie Wassermacher, neuer Autopilot, neuer Herd usw. konnten wir am 15. Mai die Werft verlassen, mit dem Ziel in Frederikstadt die nötigen Papiere beim Zoll abzustempeln zu lassen.

Vorbereitungen

Nach einigen Besuchen in der Werft bei Carl und Anna nähert sich der Tag der Abreise. Am Dienstag, 8. Mai wird es soweit sein.
Dann sind wir gespannt ob unsere Stella Maris am Steg im Hafen schwimmt. Wir haben 3 Tage zum Einräumen, technische Instruktionen wie neuer Wassermacher, Autopilot usw. eingeplant. Darnach segeln Kathi und ich nach Frederikstad in Norwegen. Dort geht erst einmal zum Zoll, wo die vermutlich umfangreichen Dokumente abgestempelt werden müssen. Somit können wir die 25 % MWST in Schweden einsparen. Wir sind gespannt, ob alles so reibungslos verläuft. Zoll ist für uns ein Buch mit sieben Siegeln.