365 Tage Segeln

In 20 Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die Dinge, die du getan hast. Also löse die Knoten, laufe aus aus dem sicheren Hafen. Erfasse die Passatwinde mit deinen Segeln.  (Mark Twain)

Unsere Reise 2019

Von Malaga nach Teneriffa

Lagos – Madeira

Am nächsten Morgen holte uns der Taxifahrer um 5 Uhr am Hafen ab und in zügiger Fahrt kurvte dieser nach Faro auf den Flughafen. Noch 1 Stunde warten und Franzisca, Hans Peter, Florian und Jeannine konnten dem Edelweissflieger zusteigen. Mit der gleichen Maschine war Kathi von Zürich gekommen. Inzwischen hatte ich am Flughafen ein Auto gemietet, welches ich dann in Lagos zurückgeben kann. Eine Woche Algarve stand uns bevor.
Den Platz in Lagos hatte ich bis 20. August reserviert. Dave konnte aber erst am 21. August auf der Stella Maris sein. Auf die Nachfrage in der Marina wurde uns mitgeteilt, dass wir nicht länger an unserem Platz bleiben können und wir an der Service Brücke übernachten können. Obwohl der halbe Hafen leer war. Doch verstehen mussten wir das nicht. Inzwischen hatten wir die Stella Maris für den langen Schlag nach Madeira vorbereitet. Nachdem unsere Crew komplett war legten wir nach einem feinen Frühstück ab. Die Zeit drängte, denn vor dem Hafen hatte sich eine Sandbarre gebildet, welche mit unserem Tiefgang nur bis halb ablaufendem Wasser überquert werden konnte.
Die Windvorhersage meinte, dass bis an die Südwestecke von Portugal fast kein Wind zu erwarten war, anschliessend jedoch immer 4 – 5 BF uns nach Madeira blasen werden. Tatsächlich musste zu Beginn der Motor für Vortrieb sorgen doch kaum aus der Abdeckung heraus stellte sich der Wind ein. Mit Genua und Gross stellten wir den raumen Kurs nach Madeira resp. Porto Santo ein. Beim fast 25 sm breiten Verkehrstrennungsgebiet Roca Control meldeten wir uns auf Kanal 16 an. Benötigen wir doch fast 4 Stunden dieses zu durchqueren. Der Operator wies uns einen Arbeitskanal zu und verstand aber unsere Anmeldung nicht. Mit der Bemerkung Stand By verabschiedete er sich von uns. Tatsächlich hatten wir nur drei Schiffe gesehen, welche uns im grossen Abstand kreuzten. Die Wellen waren wirklich Atlantik Like doch unser Autopilot meisterte die Arbeit bestens. Das Kochen wie auch Schlafen gestaltete sich eher etwas schwierig, da die Stella Maris ständig rollte. Mit einem ersten Etmal von 145 sm waren wir sehr zufrieden. Dave absolvierte seine Wache zuverlässig doch anschliessen wurde er nicht mehr gesehen. Auch der Hunger hielt sich bei Ihm in Grenzen. Kathi und ich bekundeten keine Probleme. Mühsam war einfach, dass man sich im Schiff selbst überall festhalten musst, um nicht herumgeworfen zu werden. Doch nach dem zweiten Tage haben sich alle daran gewöhnt. In der Nacht das Gross etwas reduziert und am Morgen wieder ausgerefft. Der Wind blieb konstant und so konnten wir von 450 sm rund 420 segeln.
Am vierten Tage konnten wir am Morgen die Insel Porto Santo ausmachen, doch es dauerte noch 6 Stunden bis wir vor der Hafeneinfahrt standen. Netterweise blies der Wind mit 26 Kn und ich liebe es, bei diesen Verhältnissen in einen unbekannten Hafen einzufahren. Schnell wurde und klar, dass im eigentlichen Hafen mit Stegen für die Stella Maris kein Platz war und so legten wir an einer Betonpier mit viel Fendern an. Dabei galt es die Tide von ca. 2.50 im Auge zu behalten.
Port Santo eine spezielle Insel ohne Regen mit einem 8 km langen Sandstrand. Ein Flughafen und ein Nato Stützpunk der nebst den 6 Hotels etwas Geld auf die Insel bringt. Alles Wasser muss mittels Entsalzungsanlage produziert werden. Die Fähre verkehrt täglich nach Funchal auf Madeira. An der Hafenmauer von Porto Santo hatte es viele Zeichnungen von Jachten, welche sich dort verewigen. Einige Bekannte haben wir gesehen wie Millemomenti, Yuana, Fredrike, Kisu. Mangels Mahlutensilien haben wir darauf verzichtet.
Nach drei Tage Porto Santo segelten wir die 25 sm nach Madeira, besser in den Hafen von Quinta de Lorde. Dort wird die Stella Maris bis in den September im Hafen bleiben und Dave wird in dieser Zeit auf die Yacht aufpassen. Überraschenderweise bekamen wir noch Besuch von Beate und Kurt, welche eine Woche auf Madeira gebucht hatten. Nach einer Woche Madeira erkunden flogen Kathi und ich nach Hause.

Gibraltar – Lagos

Am nächsten Morgen stand der Besuch des Affenfelsens auf dem Programm. Von unserem Hafen aus ein Spaziergang von 30 Minuten. Einzigartig in Gibraltar, dass die Strasse über die Piste des Flughafens führt. Wird ein Flugzeug erwartet werden einfach die Schranken geschlossen. Nach der Landung ist der Weg wieder frei.
Inzwischen mit Besorgnis den Wetterbericht verinnerlicht. Die nächsten Tage sollte es mit 30 kn durch die Strasse von Gibraltar wehen. So blieb uns nicht weiter übrig als im geschützten Hafen zu bleiben. Eigentlich wären noch Cádiz und Faro auf dem Programm gestanden doch aufgrund der wetterbedingten Wartezeit musste der Plan geändert werden. Ein direkter Schlag nach Lagos von 180 sm mit einer Nachtfahrt half uns rechtzeitig in Lagos zu sein.
Nach einem feinen Frühstück legten wir früh in Gibraltar ab. Eigentlich sollte jetzt Ostwind herrschen doch als wir die Strasse von Gibraltar erreichten, absolute Flaute. Gut hatten wir noch die Strömung mit uns, welche ein zügiges vorwärtskommen ermöglichte. Schon bald war kein Land mehr in Sicht und um uns herum nur Wasser. Doch unser Autopilot steuerte uns sicher in die kommende Nacht hinein. Wunderschön das milchige Licht des Mondes (es war fast Vollmond) welches eine mystische Strasse auf das Wasser zeichnete. Die ganze Nacht war kein anderes Schiff in unsere Nähe gekommen. Nur früh am Morgen mussten wir einer ganzen Armada Fischerboote ausweichen. Der weitere Weg führte und nahe an der Algarve entlang Richtung Lagos wo wir nach dem Mittag in den Kanal einlaufen konnten. Den Liegeplatz hatten wir schon im Voraus reserviert und nach der Anmeldung konnten wir an unseren Platz verholen. Lustigerweise handelte es sich um den gleichen Platz wie im Jahr 2018. Das Nachtessen genossen wir in der Altstadt von Lagos. Vorher war für Hans Peter und mich ein Besuch beim Haareschneider angesagt. Für 10 Euro wurden die Haare wieder in Form gebracht.

Malaga – Gibraltar

Anfangs August ging es wieder nach Malaga. 2 Monate hatte die Stella Maris im Hafen von Benalmadena gelegen. Unglaublich, was die Yacht für ein Bild abgab. Über und über mit einer Sand- und Schmutzschicht überzogen. Also kurzerhand das Gepäck im Auto gelassen und mit Schlauch und Strupper der zähen Masse auf den Pelz gerückt. Ganze drei Stunden benötigte ich um ein halbwegs befriedigendes Ergebnis zu erzielen. Da es in diesem Hafen ständigen Schwell (Wellen im Hafen) hat, benützte ich die Ruckdämpferfedern an den Festmacherleinen. Diese federn die ständigen Bewegungen etwas ab. Bei meiner Ankunft waren beide Stahlfedern gebrochen. Glücklicherweise hatte unser belgischer Stegnachbar, welcher sich anerboten hatte auf unser Schiff ein Auge zu haben, die Leinen neu ausgebracht.
Nach der Ankunft von Florian, Hans Peter, Franziska und Jeannine machten wir uns auf den Weg nach Estephona. Wie so oft musste der Diesel für den nötigen Vortrieb sorgen da der Wind vermutlich in den Sommerferien war. Bei anfangs gleichen Verhältnissen ging es am anderen Tag weiter nach Gibraltar. Bis zum Affenfelsen praktisch keinen Wind, kaum etwas in die Strasse von Gibraltar eingebogen pfiff es mit bis zu 30 kn uns auf die Nase. Mit zermürbend langsamen 1 kn versuchten wir das Europa Point Leuchtfeuer zu umrunden. Nachdem das endlich geschafft war schnell in den englischen Hafen um für 0.63 Cent/Liter Diesel zu bunkern. Leider hatte es in diesem Hafen für uns keinen Platz sodass wir in den spanischen Hafen wechselten. So wurde aus einem geplanten 4 Stunden Schlag 7 Stunden und der Hafenapero war mehr als verdient.

Sommerpause

Nach diesen vielen Landausflügen brachten wir die Stella Maris nach Benalmadena wo sie die nächsten 2 Monate die Sommerferien geniessen kann. Wir fliegen zurück in die Schweiz und werden Anfangs Augst wieder nach Malaga kommen.

Andalusien

Nach diesen schönen Tagen kehrten wir über Santa Pola wieder in unseren Winterhafen Cartagena zurück. Von dort weiter über Garucca, Aquadulce nach Adra. Eine etwas ärmlich Gegend, obwohl die Gemeinde einen neuen Yachthafen gebaut hat. Leider fehlen seit 2 Jahren die Gäste in diesem Hafen, so könnten an den 2 langen Stege ca. 100 Jachten mit Mooring festmachen, es waren aber mit uns nur 4 Stück. Netter Hafenmeister der etwas Englisch spricht. Dieser hatte uns gleich ein Mietauto für 5 Tage organisiert. Hafengebühr pro Tag bescheidene 26 €.
Von Adra aus besuchten wir die Sierra Nevada, die Erdhäuser in Guadix und natürlich Granada wo wir dann 2 Nächte blieben. Ein Besuch des Alhambra wie auch der Altstadt von Granada standen auf dem Programm. Auf der Rückfahrt über Bergstrassen wie die Albula nach Pampaneira, ein Bergdorf wo heute noch Flickenteppiche gewoben werden. Wir waren glücklich, dass die Hauptsaison noch in der Ferne lag, nicht vorzustellen was dann los ist.
Ein weiterer Ausflug führte uns in einzige in Europa liegende Halbwüste, ca. 60 km hinter Almeria. Dort wurden auch viel Filme von Sergio Leone (Spiel mir das Lied vom Tod) gedreht und das Film Dorf ist heute eine Attraktion. Alle so bekannten Bauten wie Bank, Hotel, Saloon, Sherif, Bahnstation usw. sind da vorhanden. Alle 2 Stunden wird eine Szene mit Pferden und knallenden Cowboys gespielt. Die Gegend ist fantastisch wild und man könnte glauben Wyth Earp kommt mit dem Pferd gleich um die Ecke geritten.

Endlich unterwegs

Ein schönes Gefühl, wieder auf dem Meer zu sein. Wir haben Cartagena am Morgen verlassen und sind über Santa Pola nach Altea unterwegs. Bekannte von uns besitzen dort eine Wohnung und haben von dieser schönen Gegend geschwärmt. Als wir Benidorm passierten hatte ich einen Augenblick das Gefühl, in New York zu sein. Doch nach der Kontrolle des GPS Standortes war es klar, dass wir richtig sind. Unglaublich was da alles an Hochhäusern hingeklotzt worden ist. Ein ungewöhnlicher und nicht besonders schöner Anblick.
Der Hafen von Altea erwies sich als eher klein und gerade noch 2 Plätze waren am äussersten Ponton frei. Eigentlich wollten wir am nächsten Tag weiter nach Ibiza, doch der Wetterbericht meinte, dass wir den ganzen Weg mit der Maschine fahren müssten. Kurzentschlossen entschieden wir, 3 Tage in Altea zu bleiben und diese schöne Gegend etwas zu erkunden. So fuhren wir mit dem Zug nach Denia, fanden in der Altstadt von Altea hoch über dem Hafen feine Restaurants, besuchten Villajoyosa mit den farbigen Häusern und den Rolltreppen im Freien vom Hafen bis in die Stadt usw. was will man mehr!

Saisonstart

Am 4. Mai sind wir nach Cartagena geflogen und konnten unsere Stella Maris am Steg begrüssen. Super was Juan Pedro inzwischen alles erledigt hat.

Die Ladung der Batterien 12 und 24 V funktioniert nun einwandfrei
Der neue Drehzahlmesser ist eingebaut
Am Motorpanel ein neuer Beleuchtungsschalter eingebaut
Service am Hauptmotor ausgeführt
Separfilter ausgetauscht
Ein neuer Kühlwasserfilter vor dem Impeller montiert
Generatorauspuff in die Bordwand verlegt
Dickere Kühlwasserleitungen inkl. neuem Filter eingebaut
Bilgen- und Grauwasser Pumpe neu eingebaut, inkl. 2 grossen Vetus Filtern
Bei beiden Maschinen die Entlüfungsleitungen und Siphon ausgetauscht

Alles in allem fast ein neues Schiff. Wir planen ab 12. Mai Cartagena in Richtung Norden zu verlassen.

Im Winterlager

Die Stella Maris überwintert im geschützten Hafen von Cartagena. Juan Pedro nimmt sich der Hauptmaschine sowie des Generators an. Bei der Hauptmaschine liegt das Hauptmerk an der Kompression, welche in Schweden gemessen wurde. Dabei wurde festgestellt, dass der Zylinder 2 und 3 nur über 14 kg Kompression verfügen. Normal wäre ein Wert im Bereich von 22 – 25 kg. Nachdem Juan Pedro alle Zylinder 2 x ausgemessen hatte mussten wir feststellen, dass sich alle Werte im Bereich von 23 kg befanden. Scheinbar hatte der Zusatz «Granit» im Diesel bewirkt, dass die Verkokung sich aufgelöst hatte. Uns soll es recht sein. Der Hauptauspuff Schalldämpfer wird von Volvo Penta auf Garantie ersetzt, das sich nach nur 400 Betriebsstunden kleine Löcher im Deckel gebildet hatten.

Zusätzlich wird der Auspuff des Generators auf die Schiffsseite verlegt, da die Auspuffleitung bis in Heck einfach zu lang ist und nicht den Herstellervorschriften entspricht.

Beim Wärmetauscher muss eine neue Dichtung eingebaut werden.

Die Rettungsinsel wurde der vorgeschriebenen Revision unterzogen und wir hoffen, dass die Insel für immer im Stau Fach bleiben wird und wir sie nie benötigen werden.

Mitte März besuchen wir die Stella Maris in Spanien und hoffen, dass alle Arbeiten abgeschlossen sein werden.

Stavanger – Lerwick

Nach den nötigen Reparaturen der Seerehling und dem neu montieren weissen Hecklichtes konnte die Reise weitergehen. Immer noch blauer Himmel und für den Norden sehr warme Temperaturen dank der anhaltenden Hochdrucklage, aber leider auch sehr wenig Wind.
Mit dem Motor ging es durch die sehr schöne und wilde Schärenlandschaft über Haugesund nach Bergen. Dort wo es normalerweise 300 Tage im Jahr regnet, war super Wetter. Wir beschlossen einen Tag in Bergen zu bleiben um einen Ausflug auf den Floiberg zu machen.
Am nächsten Tag suchten wir ca. 30 sm nördlich in den Schären einen Ankerplatz wo wir übernachteten. Noch einmal am ruhigen Ankerplatz schlafen und essen, bevor es am nächsten Morgen zum langen Schlag auf die Shetlands gestartet werden konnte. Sobald wir am nächsten Morgen die schützenden Schären verlassen hatten, blies uns ein steifer Nord 5 mit einiger Welle entgegen. Nur mit Genua segelten wir diesen Halbwindkurs. Einige benötigten schon nach kurzer Zeit 30 Minuten um eine Banane zu essen. Gegen Abend hatte sich der ursprünglich Wachplan in Luft aufgelöst. Da niemand bei diesen Bedingungen zu kochen mochte, testete ich um Mitternacht den neuen halbkardanischen Herd und kochte feine Teigwaren mit Pesto Sauce. Im nu war die Pfanne leergegessen.
Auf unserem Kurs tauchten in ca. 20 sm Abständen laufend Ölplattformen auf. Ein Freund hatte mir einmal gesagt, dass man bei der Überfahrt nur den Plattformen nachfahren kann. Leider war es in diesen Breiten auch um Mitternacht nie richtig dunkel. Ich könnte mir vorstellen, dass im September diese Plattformen mit ihren Lichtern wie Christbäume im Meer stehen.
Am anderen Morgen steuerten wir den Baltasund an und der Anker fiel auf 7m Wassertiefe. Nach einem Ruhetag ging es weiter nach Lerwick. Spannend war, zwischen den einzelnen Inseln die Tide oder die Tidrips zu beobachten. Strom bis zu 4 kn ist da keine Seltenheit.
Der Hafen von Lerwick war überraschenderweise recht voll. Beim Einlaufen verliess eine Yacht ihren Liegeplatz, welchen wir dann dankend übernahmen.