365 Tage Segeln

In 20 Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die Dinge, die du getan hast. Also löse die Knoten, laufe aus aus dem sicheren Hafen. Erfasse die Passatwinde mit deinen Segeln.  (Mark Twain)

Unsere Reise 2019

Von Malaga nach Teneriffa

Piräus

4 Tage blieben wir in Piräus. Nach Tagen auf den kleinen Inseln ein grosser Gegensatz, in einer so pulsierenden Grossstadt zu sein. Schon am 2. Tag die Schweizer/Italiener Coni und Claudio kennengelernt. Sie besitzen eine HR 42 und kennen Griechenland wie die Hosentasche. Im Winter leben sie auf Kos und im Sommer sind sie mit der Jacht unterwegs. Von ihnen haben wir viele Länderspezifische Tipps erhalten. Im Gegenzug konnte ich ihnen mit der Adresse von meinen Luken Lieferant aushelfen. Der Austausch unter Seglern funktioniert sehr gut und was der eine nicht weiss, weiss der andre.

In Piräus war es wieder einmal an der Zeit, unsere Vorräte aufzufüllen. Ganz in der Nähe hatte es einen riesigen Laden so a la Globus. Nur die Preise bewegen sich in der Hälfte von Globus. Wir fragten uns, wie das die Griechen überhaupt bezahlen können. Der grosse Vorteil war, dass der Laden die eingekauften Waren direkt und ohne Mehrkosten ans Schiff liefert. So entfällt die anstrengende Schlepperei.

    

Seit unserer Abfahrt in Marmaris hatten wir festgestellt, dass beim Einrollen des Grossegels so komische Geräusche aus dem Masttopp kommen. Natürlich wussten die beiden Schweizer wer da zuständig ist. Herr Kafetzidakis war der richtige Mann welcher auch die Vertretung von Reckmann Rigging Germany in Athen hat. Natürlich haben diese Leute nicht auf uns gewartet doch durch die Intervention von Claudio wurde ein Einsatz doch noch möglich. Die Ursache war schnell gefunden, haben die Leute von UK Sails in Marmaris das Fall einmal um die Mastrolle geschlagen. Dadurch scheuerte das Fall an der Rolle. Besorgniserregender war der Umstand, dass bei allen Salingbefestigungen die Schrauben teileweise fehlten oder locker waren. Als der Mast gestrichen wurde hatten die Leute die Schrauben mit einem Elektroschrauber eingedreht, das mit zu viel Kraft und somit wurde das Gewinde ausgerissen. Herr Kafetzidakis meinte, dass Reckmann Riggs so stark gebaut seien, dass dies auch noch bis Schweden halten wird.

    

Kythnos – Piärus

Auf Sefiros hatten wir einen Ruhetag, bedingt durch unseren Oldi Volvo Penta, eingelegt. Geplant war, dass wir alle Gastlandflaggen übereinander bis Schweden auf der Steuerbordseite hängen lassen. Plötzlich stand eine nette griechische Zöllnerin am Steg und fragte uns, was wir für eine Flagge am Heck führen?? Switzerland sagte ich und sie schaute mich verwundert an. Was dann die türkische Gastlandflagge unter der Griechischen soll? Nach langen hin und her verlangte sie, dass die Türkische entfernt werden muss da wir uns nun in Griechenland befinden!!

Bei schönstem Wetter machten wir uns nach Kythnos, wieder unter Maschine, auf den Weg. Die griechischen Inseln werden regelmässig von Fähren bedient. Diese machen sich vermutlich einen Spass daraus, an den Segelbooten mit «voll Speed» vorbei zu donnern. So mussten wir mehrmals den Kurs ändern um genügend Abstand zu halten.

Am frühen Nachmittag liefen wir in verträumten Hafen von Merikhas ein. Wieder ein Bugankermanöver das auf Anhieb klappte. So langsam werden wir eine eingespielte Mannschaft.

In einer wunderschönen Taverne bei Sonnenuntergang ein feines Nachtessen genossen.

Um 8 Uhr hiess es Anker auf und wir machen uns auf den Weg nach Piräus. Wieder kreuzten uns einige Fähren und wir überquerten den Schiffartsweg der nach Istanbul und in schwarze Meer führt.

Gegen 18 Uhr liefen wir in Piräus ein und bekamen einen sehr guten Hafenplatz direkt vor dem Gebäude der Hafenpolizei.

Astipalaia – Sikinos – Serifos

Am anderen Morgen verliessen wir Nisyros um zur «Schmetterlingsinsel» Astipalaia zu gelangen. Leider schlief der Wind auch an diesem Tag. Am Abend am Fähranleger angelegt. Ein verschlafener Ort ohne viele Touristen. Da der Wind heute auch nicht vorhanden war mussten wir unsere Dieseltanks wieder auffüllen.

    

Um 10.30 auslaufen mit dem Ziel Ios. Leider auch heute wieder ohne Wind. Doch wie typisch in der Ägäis kommt dieser unvermittelt und heftig. Geplant war im kleinen Hafen von Ios am Fährsteg anzulegen. Doch kaum in diese Meerenge zwischen Ios und Sikinos eingelaufen stehen und 35 Knoten Wind entgegen. Bei diesen Verhältnissen in den kleinen Hafen einzulaufen wäre fatal da dieser voll gegen den Wind offen steht. Also kurz auf der Karte nachgeschaut und auf der Insel Sikinos gibt es einen kleinen windgeschützten Hafen mit einem kurzen Anleger.

Schon einige Yachten liegen vor Buganker am Steg. Für uns blieb nur ein kleiner Teil des Anglegers. Mit einem tiptopen Manöver legten wir neben einer französischen Yacht mit Buganker am Steg an.

    

Unsere Nachbarn feierten die Wahl von Kandidat Maccron und machten uns darauf aufmerksam, dass in der Nacht die Inselfähre noch an diesem Steg anlegt. Dieses Ungetüm kam dann aber erst in den frühen Morgenstunden.

    

    

Am anderen Morgen legten wir bei bewölktem Himmel um 9 Uhr ab mit dem Ziel Nisos. Schon bald setzte Regen ein und wir machten es uns trotz schlechtem Wetter hinter dem Sprayhood gemütlich. Auf halbem Wege begrüsste uns wieder die Sonne und gegen 19 Uhr legten wir im neuen Yachthafen von Nisos mit Buganker an.

Vulkan auf Nysiros

Am nächsten Morgen beschlossen wir, einen Ruhetag einzulegen. Auf Nysiros hat es einen aktiven Vulkan, bei welchem man in den Krater gehen kann. Schon bald wurden Fähren um Fähren mit Touristen aus Kos gekippt und an Land standen die Busse bereit, um die Turis zum Krater zu karren.

Neben unsrem Liegeplatz hatte es ein Motorrad- und Quadvermietung. Die Tochter des Inhabers anerbot uns, am Abend zum Vulkan zu fahren. 30 Euro sollte das kosten. Um 18 Uhr fuhren wir los und konnten das Naturschauspiel ohne jegliche Touristen ganz alleine für uns geniessen.

    

Auf dem Heimweg noch eine Felssauna mit 70 Grad und sehr hoher Luftfeuchtigkeit besucht.

Anschliessend in einer kleinen Taverne eine feinen Znacht gegessen. Der Ausflug dauerte rund 5 Stunden und das mit ortskundiger Betreuung.

Durch die Ägäis

Nach dem wir die türkischen Gewässer verlassen hatten planten wir in der wunderschönen Bucht Panormitis auf Symi zu ankern. Schon einige Yachten war in der Bucht vor Anker und wir fanden einen schönen Platz auf 4m Wassertiefe. Endlich konnten wir den neunen Ultra Anker testen, welcher sich dann auch prompt in den feinen Sand eingegraben hatte.

    

Am nächsten Morgen früh raus, leider ohne Wind und so musste unser Diesel den Vortrieb nach Nysiros übernehmen.

    

Wir planten den Hafen Paloi anzulaufen. Dort steht im Hafenhandbuch dass die Einfahrt zum Versanden neigt. Gebannt schauten wir auf das Echolot und bei 160cm Tiefe legte ich den Rückwärtsgang ein und verliess schleunigst die Einfahrt. Also doch an den Fährensteg im Dorf wo mit Bug Anker angelegt werden muss.

Sehr verwundert waren wir als die Temperaturanzeige sich so um die 120 Grad einpendelte. Eindeutig zu hoch für den Diesel. Nach einiger Zeit beruhigte sich das alles. (was das noch alles bedeuten soll werden wir in der nächsten Zeit noch merken)

 

Abschied

Die Woche ist wie im Fluge vergangen. Am 2. Mai heisst es definitiv, die Türkei zu verlassen. Den Agenten haben wir auf 14 Uhr an den Zoll in Marmaris bestellt. Peter und Zucker Charly kommen am Vormittag noch zu einem Abschiedskaffee an Bord. Schnell noch das Örgeli hervorgenommen und ein kleines Ständchen gespielt. Peter hat richtig traurig geschaut, verlassen doch schon wieder zwei Bekannte die Türkei.

Auch bei SK Yachting das grosse Abschiednehmen, haben doch diese Leute fast 3 Jahre unsere Stella Maris betreut, verschönert und gepflegt. Methim machte mich nochmals darauf aufmerksam, dass wir ein sehr starkes Schiff haben, ich aber trotzdem umsichtig mit Wind und Wetter umgehen soll. Eine alte Seglerweisheit: Reffe dann die Segel, wann du das erste Mal daran denkst!
Pünktlich um 13 Uhr verlassen wir die Marmaris Yacht Marina, welche drei Jahre «unser» Hafen war, Richtung Zollsteg in Marmaris. Dort werden wir schon erwartet und in 20 Minuten ist aller Papierkram erledigt.

 

Wir legen ab, doch eigentlich sollten wir in der Netsel Marina noch unsere Dieseltanks füllen. So gegen 300 Liter sollten hineinpassen. Doch dürfen wir jetzt nochmals in der Türkei nachdem wir ausklariert haben? Lange Gesichter bei uns Beiden, zumal draussen in der Bucht der Coast Guard Kreuzer liegt und unser AIS munter sendet. Nach einigen Überlegungen nehmen wir kurzerhand Kurs auf die Tankstelle und füllen unsere Tanks.
Ohne mit der Wimper zu zucken am Coast Guard Kreuzer vorbei und nehmen Kurs auf Chiflik, wo wir ein letztes Mal an Memeths Place Steg anlegen wollen. In Marmaris wurde uns gesagt, dass dieses Restaurant in dieser Saison nicht offen hat, von wegen Lizenzen und so.

   

Doch als wir in die Bucht einlaufen, winken die beiden mit ihren roten Flaggen wie verrückt und wir sind happy, nochmals bei diesen netten Leuten zum Abendessen zu sein.
Nach dem Frühstück heisst es auch hier Abschied zu nehmen, mit der Gewissheit, diese Leute sicher eine Zeitlang nicht mehr zu sehen.

   

   

 

Arbeiten in der Marina

Am anderen Morgen zuerst einmal ein feines Frühstück im Marina Restaurant. Rühreier, Salat, frischer Orangensaft, Tee alles für 4 Franken pro Person. Wir sind definitiv in der Türkei angekommen.

Ein Besuch bei Methim und Sahin von SK Yachting zeigt, dass es diese Saison auch wieder etwas ruhiger mit Chartergästen wird, fehlen doch viele Buchungen. Ein gemütlicher Schwatz bei feinem Tee.

Am Nachmittag begann das organisieren, sollten wir noch die beiden Sitze am Heck Korb fertigbringen. Der erste Inoxman, welcher den Halter für die Solarpanele gefertigt hatte meinte, in so 5 Wochen wären wir dann soweit. Und wir möchten am 1. Mai die Türkei verlassen.


Doch wären wir nicht in der Türkei, es sollte doch noch klappen. Sahin zaubert noch einen weiteren Inoxman aus dem Ärmel und dieser verspricht, dass bis Sonntagabend die Chromstahlarbeiten fertig sind.

So geht es die ganze Woche, geht, geht doch nicht, die neue Genua soll erst ca. 7. Mai fertigwerden was uns eindeutig zu spät ist.

Um den ganzen Trubel zu entgehen mieten wir ein Auto und fahren nach Götcek. Unterwegs in einem OpenAir Restaurant ein super Frühstück im Garten genossen.

Bummel durch Götcek auf dem Markt frische Morcheln gesehen, doch bei diesen Essenspreisen bleibt unsere Küche auf der Stella Maris kalt.

Jedoch ein ganzes Set Kunststoffboxen gekauft, welches dann den Stauraum unter den Salonbänken abgrenzt.

Gute News, die Genua wird nun doch am 1. Mai geliefert. Auch die beiden Sitzen wurden am Sonntagabend fertiggestellt.

Die Reise beginnt

Nach einer grossen Auslegeordnung galt es alles in Koffer und Seesäcke zu verstauen. Immer länger wurde die Kofferreihe. Am Dienstagmorgen stand Kurt pünktlich vor unserer Türe in Muri. Zum Glück hatte er den Kombi dabei denn in ein normales Auto hätte das Gepäck nicht gepasst. Kein Stau am Gurbrist und schon waren wir auf dem Flughafen. Zwei Gepäckwagen waren nötig, um alles zu verladen.
Beim Einchecken stellten wir fest, dass wir 70 kg Übergepäck hatten, was für uns eigentlich keine Überraschung war. Mit lächerlichen 570 Franken war auch dieses Problem gelöst.
Simone war noch zum Abschied gekommen, schnell noch einen Kaffee getrunken und ab durch die Zollkontrolle.
Pünktlich hoben wir mit Türkisch Airline in Kloten ab, obwohl ich dachte das Flugzeug benötigte einen etwas längeren Startweg wegen unseres Übergepäckes. Schon etwas ein komisches Gefühl mit einem One Way Ticket zu reisen.

Nach dem Umsteigen in Istanbul ging es weiter nach Dalaman. Der Landeanflug von der Landseite auf diesen Flughafen ist immer sehr spannend, muss das Flugzeug sich durch die bis über 2800 m hohen Berge auf Meereshöhe schlängeln. Auch dieses mal hatte dieser Anflug nicht im ersten Versuch möglich und ein Durchstarten war das Ergebnis. Also auf ein Neues was dann auch geklappt hatte.
Verwaist liegt der Flughafen Dalaman da, keine Charter Jets, keine Passagiere. Die Touristenmisere in der Türkei ist auch da sehr präsent.
Bei der Einreise in die Türkei wird das gesamte Gepäck nochmals vom Zoll geröngt. Wir kennen das von früher. Da unsere drei Luken nicht auf dem Kofferband ausgeliefert werden können müssen wir warten bis ein Angestellter die Gepäckstücke bringt, ergo sind wir die letzten beim Zoll.
Grosse Augen beim Zöllner was dann in den zwei Karton Gepäckstücken sei. Luken oder englisch Hatches. Natürlich verstand der nur Bahnhof. Nachdem ihm klar war, dass das für unser Schiff in Marmaris ist und dieses unter Schweizer Flagge läuft alles kein Problem mehr.
Endlich durch und da wartete schon und VIP Transfer nach Marmaris. Schnell das viele Gepäck im Mercedes Vito verstaut und ab geht es nach Marmaris, welches wir nach gut 90 Minuten Fahrzeit erreichten.
Da steht sie nun, die Stella Maris, unser Zuhause für die nächsten knapp 3 Monate. Das Gepäck über die Gangway geschleppt und im feinen Restaurant in der Marina noch kurz etwas gegessen. Ein freundlicher Empfang von den Angestellten, welche wir über 6 Monate nicht mehr gesehen hatten.
Todmüde fallen wir in unsere Kojen und schlafen augenblicklich ein.

Vorbereitungen

Schon lange Zeit wurde bei uns zu Hause gepackt, bereitgestellt und organisiert. Unglaublich was wir alles zu unserer Stella Maris mitnehmen wollen. Es sind dies 2 Kisten für die Apotheke, drei neue Luken, Drucker, diverses Navigationsmaterial wie Nautische Bücher usw.  etwas Kleider, obwohl man diese in der Türkei für fast nichts erwerben kann.