365 Tage Segeln

In 20 Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die Dinge, die du getan hast. Also löse die Knoten, laufe aus aus dem sicheren Hafen. Erfasse die Passatwinde mit deinen Segeln.  (Mark Twain)

Unsere Reise 2019

Von Malaga nach Teneriffa

Göteborg – Stavanger

Durch den Zwischenfall konnten wir nicht mehr mit dem Schiff nach Göteborg also kurzerhand Florian und Dave auf dem Flughafen abgeholt. Kathi flog wieder zurück in die Schweiz. Da es immer noch Arbeiten an der Stella Maris gab hatte ich für Florian und Dave Kajaks organisiert und die beiden waren den ganzen Tag in der Schärenlandschaft unterwegs. Am nächsten Morgen konnten wir Vindöen nun definitiv verlassen. Durch das Innenfahrwasser kamen wir an der Geburtsstätte der Stella Maris, an der Hallberg Rassy Werft in Ellös, vorbei. Weiter durch den Sotenkanal mit der Drehbrücke nach Hamburg Sund.

Da der Wetterbericht ruhige See voraussagte, entschlossen wir direkt durch das Skagerrak nach Risör in Norwegen zu laufen. Schön wenn man in der Vorsaison unterwegs ist, auch in Risör war die ganze Anlegebrücke leer. Die ganze Zeit lachte die Sonne vom Himmel, auch nicht normal für diese Jahreszeit.
Die Umrundung des Leuchtturmes Lindesnes, wo die See manchmal sehr ruppig sein kann, kein Problem, nur dass sich am Himmel über dem Land die ersten Gewitterwolken zeigten. Den Gashebel etwas weiter hinuntergedrückt und mit den ersten Tropfen konnten wir in Farsund festmachen. Auch hier das gleiche Bild, der ganze Anleger für uns frei.

Nach einer wunderschönen ruhigen Nacht am Anker in den Schären erreichten wir Stavanger. In dieser Stadt dreht sich alles um Öl. Plattformen im Bau da, Versorgungsschiffe dort. Der heimlich gewünschte Platz beim Öl Museum war frei und so konnten wir die Stella Maris direkt dort festmachen. Dave und Florian besuchten noch den bekannten Preikestolen mit seiner imposanten Felsvormation.

Wie weiter?

Nachdem am kommenden Tag alles geklärt war versuchten wir den norwegischen Nationalfeiertag doch noch etwas zu geniessen. Am nächsten Tag verliessen wir Frederikstadt und segelten an den Koster Inseln vorbei nach Smögen. Nach einiger Zeit wurde an der langen Pier ein Platz für die Stella Maris frei. Tatsächlich kam ein Hafenmeister und zog das bescheidene Hafengeld ein. Ein Rundgang über die Schären zeigte einmal mehr die traumhafte Landschaft der schwedischen Schären. Kurzerhand beschlossen wir auch am Sonntag noch in Smögen zu bleiben. Zu unserem Erstaunen leerten sich die Stege und ab 19 Uhr waren wir noch drei Jachten im Hafen. In der Hauptsaison nicht auszudenken, was da sonst für ein Rummel herrscht.
Am nächsten Tag segelten wir in einem Schlag zurück in die Werft nach Vindoen. Alle Mitarbeiter waren am Steg als wir einliefen um den grossen Schaden zu begutachten. Nach Rücksprache mit der Versicherung kam ein Gutachter um das Schadenmass festzustellen. Gleichzeitig überlegten wir fieberhaft, wie und allenfalls wo die nötige Reparatur ausgeführt werden könnte. Ein richten des Panelbügels war nach Angaben des Inoxman nicht möglich, zu stark ist die Konstruktion. Kurzentschlossen entschieden wir, dass der Bügel auf der Höhe der Reling mit der Flex abgetrennt wird und die offen Rohre mit Kunststoffzapfen verschlossen werden. Die fehlende Rehling wurde mit Spanset ergänzt so dass die Sicherheit gewährleistet war. Mit einem Schmunzeln mussten wir feststellen, dass die Stella Maris ohne Bügel eigentlich viel schöner aussah ?.

Der Crash

Kurz vor Mitternacht wurden wir von einem ohrenbetäubenden Lärm aus dem Schlaf gerissen. Das ganze Schiff schaukelte und man hörte das kreischen von Stahl auf Stahl.
Schnell in die Kleider geschlüpft und an Deck gestürmt. Ich traute meinen Augen nicht, ein Colin Archer mit einem 8 Meter langen Bugspriet hat sich in unserem Geräteträger mit den Solarpanelen verhakt und diesen nach hinten und ca. 80 cm seitlich weggedrückt. Trotz der sehr starken Konstruktion mit 48mm Chromstahlrohren war eine dermassen grosse Deformation möglich. Der Colin Archer wiegt 33 Tonnen, also 10 Tonnen mehr als wir.
Nachdem wir die Decksbeleuchtung eingeschaltet hatten, war das ganze Ausmass der Beschädigungen ersichtlich. Die Füsse des Bügels wurden aus der neu erstellten Fussleiste herausgerissen, gleichzeitig wurde die Fussleiste an vielen Orten gespalten. Ganz ärgerlich war, dass die Fussleiste beim Erneueren des Decks auch ersetzt wurde und eigentlich ganze 3 Tage alt war.
Da wir Ausländer sind haben wir die örtliche Polizei auf den Platz bestellt. Inzwischen war auch der norwegische Skipper Björre zu uns gekommen. Die Polizei machte gleich bei ihm einem Alkoholtest, welcher aber mit 0.0 negativ resultierte. Positiv war, dass die Norweger alle gut versichert sind. Nach 2 Stunden Unfallaufnahme verabredeten wir uns auf den nächsten Mittag um die weiteren Punkte mit den Versicherungen zu besprechen. An einen Schlaf war nach dieser Aufregung natürlich nicht mehr zu denken. Die Gedanken kreisten um wie weiter, was wo reparieren lassen, welcher Zeitaufwand ist nötig, was ist mit meinen weiteren Törns usw. Gut, dass wir Beide unversehrt waren und das Schiff nicht am Rumpf beschädigt worden war.

Frederikstadt

Wunderbares Gefühl wieder auf dem Schiff zu sein. Nach einer kurzen Angewöhnungszeit mit der doch anspruchsvollen Navigation legten wir am Abend in Hamburg Sund an. Obwohl es wunderbares Wetter war merkte man gut, dass die Saison noch nicht begonnen hatte. Der ganze Anleger war frei, kein Schiff weit und breit. Am nächsten Morgen ging es nach Frederikstadt. Abwechslungsreiche schöne Gegend, vor allem um die Klosterinseln, grün und doch viele Felsen. Die Ansteuerung nach Frederikstadt führt durch einen engen Sund bis in die Stadt.
Als wir zurückblickten sahen wir einen grossen Rauchpilz auf dem Meer. Eine grosse Motoryacht stand in Flammen und man konnte den verbrannten Kunststoff riechen. Beim Anlegen im Gästehafen half uns ein hilfsbereiter Norweger. Auch da war Platz genug, obwohl am nächsten Tag der Nationalfeiertag von Norwegen war. Also ist der Zoll vermutlich an diesem Feiertag geschlossen und wir stellten uns auf einen weiteren Tag in der Stadt ein.
Nach einem kurzen Fussmarsch in die Stadt genossen wir das feine Nachtessen am Wasser. Müde legten wir uns in die Kojen.

In der Werft

Am 8. Mai sind wir nach Göteborg geflogen. Schnell das Auto bei AVIS abgeholt, bestellt war ein Polo und es stand ein mittlerer Nissan SUV bereit. Ist uns auch recht. Schon auf der Fahrt nach Vindöen haben wir festgestellt, dass der Frühling seit meinem letzten Besuch nach Ostern stark auf dem Vormarsch ist. Tagestemperaturen um die 22 Grad so hoch im Norden sind schon recht selten. Überall sattes Grün, die Birken schon fest mit Laub versehen.
In der Werft angekommen sahen wir unsere Stella Maris im Hafen schwimmen. Nach einem kurzen Besuch war allen klar, dass wir die erste Nacht im Hotel verbringen werden. Einen teils, dass die Arbeiter in Ruhe arbeiten können anderseits war an ein einräumen nicht zu denken. Wir bezogen wieder unsere Suite bei Braat im Hotel Schöner Raum.
Am anderen Tag nach dem Mittag waren wir wieder in der Werft. Viel hatte sich getan, doch fertig ist anders. Also eine zweite Nacht in unserem Hotel.
6 Palletten mit Rahmen voll Sachen standen zum verräumen bereit. Kathi hat die ganze Küche aus und wieder eingeräumt, inkl. Alle Schränke und Schubladen gereinigt. Überall hat sich der Schleifstaub von den Arbeiten verkrochen.
So langsam hatten wir unsere Stella Maris wieder wie wir sie Innen mögen. Aussen glänzte sie mit dem neuen Teak Deck wie neu.
Nach den nötigen Instruktionen wie Wassermacher, neuer Autopilot, neuer Herd usw. konnten wir am 15. Mai die Werft verlassen, mit dem Ziel in Frederikstadt die nötigen Papiere beim Zoll abzustempeln zu lassen.

Vorbereitungen

Nach einigen Besuchen in der Werft bei Carl und Anna nähert sich der Tag der Abreise. Am Dienstag, 8. Mai wird es soweit sein.
Dann sind wir gespannt ob unsere Stella Maris am Steg im Hafen schwimmt. Wir haben 3 Tage zum Einräumen, technische Instruktionen wie neuer Wassermacher, Autopilot usw. eingeplant. Darnach segeln Kathi und ich nach Frederikstad in Norwegen. Dort geht erst einmal zum Zoll, wo die vermutlich umfangreichen Dokumente abgestempelt werden müssen. Somit können wir die 25 % MWST in Schweden einsparen. Wir sind gespannt, ob alles so reibungslos verläuft. Zoll ist für uns ein Buch mit sieben Siegeln.

Piräus

4 Tage blieben wir in Piräus. Nach Tagen auf den kleinen Inseln ein grosser Gegensatz, in einer so pulsierenden Grossstadt zu sein. Schon am 2. Tag die Schweizer/Italiener Coni und Claudio kennengelernt. Sie besitzen eine HR 42 und kennen Griechenland wie die Hosentasche. Im Winter leben sie auf Kos und im Sommer sind sie mit der Jacht unterwegs. Von ihnen haben wir viele Länderspezifische Tipps erhalten. Im Gegenzug konnte ich ihnen mit der Adresse von meinen Luken Lieferant aushelfen. Der Austausch unter Seglern funktioniert sehr gut und was der eine nicht weiss, weiss der andre.

In Piräus war es wieder einmal an der Zeit, unsere Vorräte aufzufüllen. Ganz in der Nähe hatte es einen riesigen Laden so a la Globus. Nur die Preise bewegen sich in der Hälfte von Globus. Wir fragten uns, wie das die Griechen überhaupt bezahlen können. Der grosse Vorteil war, dass der Laden die eingekauften Waren direkt und ohne Mehrkosten ans Schiff liefert. So entfällt die anstrengende Schlepperei.

    

Seit unserer Abfahrt in Marmaris hatten wir festgestellt, dass beim Einrollen des Grossegels so komische Geräusche aus dem Masttopp kommen. Natürlich wussten die beiden Schweizer wer da zuständig ist. Herr Kafetzidakis war der richtige Mann welcher auch die Vertretung von Reckmann Rigging Germany in Athen hat. Natürlich haben diese Leute nicht auf uns gewartet doch durch die Intervention von Claudio wurde ein Einsatz doch noch möglich. Die Ursache war schnell gefunden, haben die Leute von UK Sails in Marmaris das Fall einmal um die Mastrolle geschlagen. Dadurch scheuerte das Fall an der Rolle. Besorgniserregender war der Umstand, dass bei allen Salingbefestigungen die Schrauben teileweise fehlten oder locker waren. Als der Mast gestrichen wurde hatten die Leute die Schrauben mit einem Elektroschrauber eingedreht, das mit zu viel Kraft und somit wurde das Gewinde ausgerissen. Herr Kafetzidakis meinte, dass Reckmann Riggs so stark gebaut seien, dass dies auch noch bis Schweden halten wird.

    

Kythnos – Piärus

Auf Sefiros hatten wir einen Ruhetag, bedingt durch unseren Oldi Volvo Penta, eingelegt. Geplant war, dass wir alle Gastlandflaggen übereinander bis Schweden auf der Steuerbordseite hängen lassen. Plötzlich stand eine nette griechische Zöllnerin am Steg und fragte uns, was wir für eine Flagge am Heck führen?? Switzerland sagte ich und sie schaute mich verwundert an. Was dann die türkische Gastlandflagge unter der Griechischen soll? Nach langen hin und her verlangte sie, dass die Türkische entfernt werden muss da wir uns nun in Griechenland befinden!!

Bei schönstem Wetter machten wir uns nach Kythnos, wieder unter Maschine, auf den Weg. Die griechischen Inseln werden regelmässig von Fähren bedient. Diese machen sich vermutlich einen Spass daraus, an den Segelbooten mit «voll Speed» vorbei zu donnern. So mussten wir mehrmals den Kurs ändern um genügend Abstand zu halten.

Am frühen Nachmittag liefen wir in verträumten Hafen von Merikhas ein. Wieder ein Bugankermanöver das auf Anhieb klappte. So langsam werden wir eine eingespielte Mannschaft.

In einer wunderschönen Taverne bei Sonnenuntergang ein feines Nachtessen genossen.

Um 8 Uhr hiess es Anker auf und wir machen uns auf den Weg nach Piräus. Wieder kreuzten uns einige Fähren und wir überquerten den Schiffartsweg der nach Istanbul und in schwarze Meer führt.

Gegen 18 Uhr liefen wir in Piräus ein und bekamen einen sehr guten Hafenplatz direkt vor dem Gebäude der Hafenpolizei.

Astipalaia – Sikinos – Serifos

Am anderen Morgen verliessen wir Nisyros um zur «Schmetterlingsinsel» Astipalaia zu gelangen. Leider schlief der Wind auch an diesem Tag. Am Abend am Fähranleger angelegt. Ein verschlafener Ort ohne viele Touristen. Da der Wind heute auch nicht vorhanden war mussten wir unsere Dieseltanks wieder auffüllen.

    

Um 10.30 auslaufen mit dem Ziel Ios. Leider auch heute wieder ohne Wind. Doch wie typisch in der Ägäis kommt dieser unvermittelt und heftig. Geplant war im kleinen Hafen von Ios am Fährsteg anzulegen. Doch kaum in diese Meerenge zwischen Ios und Sikinos eingelaufen stehen und 35 Knoten Wind entgegen. Bei diesen Verhältnissen in den kleinen Hafen einzulaufen wäre fatal da dieser voll gegen den Wind offen steht. Also kurz auf der Karte nachgeschaut und auf der Insel Sikinos gibt es einen kleinen windgeschützten Hafen mit einem kurzen Anleger.

Schon einige Yachten liegen vor Buganker am Steg. Für uns blieb nur ein kleiner Teil des Anglegers. Mit einem tiptopen Manöver legten wir neben einer französischen Yacht mit Buganker am Steg an.

    

Unsere Nachbarn feierten die Wahl von Kandidat Maccron und machten uns darauf aufmerksam, dass in der Nacht die Inselfähre noch an diesem Steg anlegt. Dieses Ungetüm kam dann aber erst in den frühen Morgenstunden.

    

    

Am anderen Morgen legten wir bei bewölktem Himmel um 9 Uhr ab mit dem Ziel Nisos. Schon bald setzte Regen ein und wir machten es uns trotz schlechtem Wetter hinter dem Sprayhood gemütlich. Auf halbem Wege begrüsste uns wieder die Sonne und gegen 19 Uhr legten wir im neuen Yachthafen von Nisos mit Buganker an.